Geschichtliches
Die Massage dürfte eines der ältesten Heilmittel der Medizin sein und hat ihre Wurzeln in allen Kulturen. Die der griechisch-römischen Tradition entstammende klassische Massage erhielt im 19. Jahrhundert einerseits durch den schwedischen Heilgymnasten Per Henrik Ling und andererseits durch den holländischen Arzt J. Georg Mezger ihre im wesentlichen bis heute noch ausgeübte Form.


Die Behandlung
Bei der klassischen Massagetherapie kommen Streichungen, Knetungen, Reibungen (Friktionen), Klopfungen (sehr selten) und Vibrationen zum Einsatz. Je nach Therapieziel werden diese Griffarten zu einem Behandlungskonzept zusammengestellt, das völlig auf das Krankheitsbild, den Zustand des Patienten sowie den Gewebsbefund abgestimmt ist. Der individuelle Aufbau der Massagetherapie ergibt sich aus den erwünschten therapeutischen Wirkungen, von denen auch Intensität, Dauer und Schnelligkeit der Griffe sowie deren Kombinationen abhängig sind. Daraus lässt sich der ausgeprägte Variationsreichtum der Massage ableiten. Die massierende Hand ertastet ständig den Befund des behandelten Gewebes und stellt darauf die Massagetechnik ein; so kontrolliert sie auch gleichzeitig den therapeutischen Erfolg.


Therapeutische Wirkungen
Die vielfältigen therapeutischen Wirkungen der Massage werden zu unterschiedlichen medizinischen Aufgaben genutzt:

  • Massage steigert die örtliche Durchblutung sowohl an oberflächlichen als auch an tiefen Gewebsschichten bis zu 500 % der Normaldurchblutung.
  • Massagetherapie erzielt Entstauung im Venen- und Lymphbereich.
  • Massagetherapie verbessert sowohl die Flüssigkeitsfüllung (Turgor) als auch die Ernährung der Zellen (Trophik).
  • Massagetherapie reguliert den Spannungsgrad der Muskel (Muskeltonus): verspannte Muskeln werden entspannt (Detonisierung), "schlaffe" Muskeln werden tonisiert - mit dem Ziel der normalen Muskelspannung.
  • Massagetherapie führt zu schneller Erholung (Regeneration) ermüdeter und erschöpfter Muskulatur,
  • Massagetherapie löst Vernarbungen und Gewebsverklebungen, insbesondere nach Verletzungen, Operationen und längerer Ruhigstellung.
  • Massagetherapie erzielt Schmerzauflösung durch Schmerzverdeckung, Ausschwemmung schmerzauslösender (algogener) Substanzen und durch Bildung körpereigener Schmerzmittel (Opioide), wie Enkephalin und Endorphin.
  • Massagetherapie vermag durch spezielle Grifftechniken über die Haut, Unterhaut und Muskulatur funktionelle Störungen innerer Organe günstig zu beeinflussen, wobei Reflexvorgänge des neurovegetativen Nervensystems genutzt werden.
  • Massagetherapie bewirkt schließlich psychische Entspannung und seelischen Ausgleich.


Anwendungsbereiche der Massagetherapie
Aus den komplexen Wirkprinzipien ergeben sich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten der Massagetherapie, von denen nachfolgend die wichtigsten Heilanzeigen genannt sein sollen:


Rheumatischer Formenkreis
Die rheumatischen Erkrankungen stellen für die Massagetherapie den wohl wichtigsten Indikationsbereich dar, weil sich die hierbei auftretenden Schmerzsyndrome und geweblichen Veränderungen durch Massage sehr gut beeinflussen lassen.- Die chronische Polyarthritis reagiert im entzündungsfreien Stadium auf milde Massage günstig, da sie für verbesserte Gewebeverhältnisse, gesteigerte periphere Durchblutung, leistungsfähiges Bindegewebe, Schmerzlinderung sowie Reduzierung antirheumatischer Arzneimittel sorgt. Bei längeren Massageserien ist auch eine geringere Entzündungsneigung zu beobachten, da sich die vegetativen, hormonellen und immunologischen Verhältnisse verbessern. Die Neigung zur Verkürzung und Verhärtung Gelenk umgebender Strukturen (Kontrakturen) nimmt deutlich ab.- Die Arthrosen großer Gelenke sprechen auf Massage ideal an und reagieren mit Schmerzbefreiung, vor allem die das Gelenk umgebenden degenerativ in Erscheinung tretenden Gewebsstrukturen wie Sehnenentzündungen (Tendinosen, Peritendinosen, Tendomyosen) u. a. m. Aber auch der geschädigte Gelenkknorpel wird widerstandsfähiger, wenn Massage für eine hervorragende Muskelpflege und optimale Ernährung der Gelenke sorgt. Wichtig ist auch, dass die Massage durch Beseitigung muskulärer Dysbalancen, die Fehlbelastungen des Gelenkes ausschaltet - vor allem in Kombination mit bewegungstherapeutischen Maßnahmen.- Schmerzhafte Wirbelsäulensyndrome Hier wirkt Massage vor allem den nerval bedingten Schmerzen entgegen, löst flächigen Muskelhartspann sowie die oft quälenden Muskelhärten (Myogelosen), die sich fast allen anderen therapeutischen Anwendungen gegenüber resistent zeigen.- Beim Weichteilrheumatismus ist die Massage die wirksamste Methode überhaupt (Prof. Dr. med. Herbert Krauss). Die durch lokalen Sauerstoffmangel (Hypoxie) in Muskel- und Bindegewebsstrukturen entstehenden degenerativen Veränderungen reagieren ausgezeichnet auf zunächst auflockernde Griffe, denen dann sehr gezielte tiefgehend, kreisende Massagebewegungen (Friktionen) und Dehnungstechniken folgen - nicht selten bessern sich Schmerzen und funktionelle Beschwerden schon nach wenigen Anwendungen.


Neurologische Erkrankungen
Hier stehen einerseits die schlaffen Lähmungen im Vordergrund, deren starke Atrophieneigung durch Massage deutlich abnimmt, andererseits die Migräne, die auf eine spezielle Massagetechnik sehr positiv reagiert. Spastische Lähmungen sprechen auf die detonisierenden Massagewirkungen kurzzeitig gut an; es sollten jedoch unmittelbar danach bewegungstherapeutische Maßnahmen folgen.
Folgeerscheinungen nach Verletzungen und Operationen am BewegungsapparatSchnellere Erguss- und Ödemrückbildung, verbunden mit gesteigerter Regeneration und Durchblutung, verhilft die Massage zu einer Beschleunigung des Heilungsverlaufs und der Rehabilitation. Hier bildet die Massage auch die ideale Voraussetzung für eine erfolgreiche anschließende Bewegungstherapie.


Innere Erkrankungen- Herzleiden
Die Massage vermag hierbei Linderung dadurch herbeizuführen, dass sie die nach Ausschwemmung kardialer Ödeme durch Entwässerung sehr verschlechterte Elastizität der Gewebe wieder herstellt. Auch wird die periphere Blutzirkulation angeregt, wodurch eine spürbare Entlastung des Herzens entsteht.- Die essentielle arterielle Hypertonie geht häufig mit flächigen Muskelverspannungen einher. Werden diese durch Massage detonisiert und eine Erweiterung der peripheren Arteriolen erreicht, dann wird nicht nur eine Blutdrucksenkung, sondern auch eine Verringerung der damit gelegentlich verbundenen Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerz etc. erreicht. - Fehlatmung und Bronchitis werden durch Massage ebenfalls gut beeinflusst, weil sie die sehr verspannte Rumpf- und Atemhilfsmuskulatur funktionell normalisiert; gleichzeitig wirken Vibrationen und Erschütterungsgriffe schleimlösend bei erleichterter Ausatmung.- Psychovegetative Syndrome. Hierbei erzielt die Massage eine ausgleichende Wirkung auf das vegetative Nervensystem; dazu wird sie in besonderer Weise einfühlsam und in der Regel auch mit längerem Zeitaufwand durchgeführt. Migräne, Schlaf- und Verdauungsstörungen, funktionelle Organbeschwerden sowie psychosomatisch ausgeprägte neurovegetative Probleme eignen sich sehr gut zur Massagetherapie, wobei sich die "atmungsaktive Massage" als empfehlenswerte Behandlungstechnik erweist.


Körperliche Entwicklungshemmungen bei Kindern

Die Massage nimmt auf die Funktion der Epiphysen durch mächtige Entwicklungsimpulse deutlichen Einfluss und vermag auf diese Weise die folgenschweren degenerativen Veränderungen zu verhüten. Die gesamte wissenschaftliche und praktische Erfahrung zeigt, dass nur Massageserien imstande sind, die erwünschten Reiz- und Reaktionstherapie unspezifischer Wirkungen auf viele Funktionssysteme des Gesamtorganismus auszulösen und als regulative Selbstordnung und Selbstheilung anzusehen sind.