CMD – Craniomandibuläre Dysfunktion Was ist das?

Als craniomandibuläre Dysfunktion bezeichnet man eine Fehlfunktion der Kau- und Kopfmuskulatur und des Kiefergelenkes. DieseCMD Fehlfunktion kann unterschiedliche Ursachen haben, wobei sowohl die Bissverschlüsselung von Oberkieferzähnen und Unterkieferzähnen und die Zuordnung beider Zahnreihen bei Bewegungen des Unterkiefers als auch degenerative oder entzündliche Veränderungen und psychische Faktoren eine wichtige Rolle spielen.
 
Symptome einer CMD können sein:

  • Gelenksgeräusche bei Bewegung des Unterkiefers oder Bewegungsbeeinträchtigungen.
  • Muskelverspannungen oder Muskelschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Gefühlsstörungen wie Zungenbrennen, Wangenbrennen, Taubheitsgefühl im Gesichtsbereich oder Hörbeeinträchtigungen.

Vielfach entwickeln sich die Störungen der Kaufunktiion so schleichend, dass Sie als Patient erst sehr spät subjektive Symptome entwickeln. Vor allem der Bereich des Kopf- und Gesichtsschmerzes erfordert bei ansonsten nicht erklärbaren Ursachen zwingend eine Analyse der Kaufunktion. In enger Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Physiotherapeut kann Ihnen sicherlich geholfen werden.Sollten Sie also die Vermutung haben, dass bei Ihnen womöglich eine funktionelle Therapie zur Besserung Ihrer Beschwerden beitragen könnte, konsultieren Sie Ihren Zahnarzt oder Physiotherapeuten.

Mit freundlicher Genehmigung, Zahnarzt Dr. Lars Peter Hegenberg, Hagen

 

CMD oder Craniomandibuläre Dysfunktion
(Fehlfunktion bei der Bewegung des Unterkiefers im Kiefergelenk).

Ursachen:
Beinlängenverkürzung, Beckenschiefstand, Nasenscheidewandverkrümmung, Kopffehlhaltung. Dadurch Kieferfehlbiss. Daneben gibt es psychosomatische Ursachen, z.B.: Stress.

Symptome:
Schmerzen, die Kopfschmerzen verursachen können, über die seitliche Gesichtshälfte übers Ohr bis zum Mittelscheitel (Seitenkopfschmerz). Knacken oder Knallen im Kiefergelenk verursacht durch die knorpelfaserige Scheibe (den Diskus) zwischen Gelenkkopf und –Pfanne, eingeschränktes Mundöffnen, Druckempfindlichkeit der Kaumuskulatur und/oder des Kiefergelenks, Deveation beim Öffnen und Schließen des Kiefers. D.h: entweder es weicht der Kiefer beim Öffnen von seiner geraden senkrechten Bahn ab und beschreibt einen Bogen, oder am Ende des Öffnens steht der Unterkiefer mehr nach rechts oder links aus dem Lot heraus. Patienten bruxieren, d.h.: sie mahlen / knirschen nachts mit den Zähnen und können sich so selbst die Zähne abschleifen. Steuermechanismen übers Gehirn.Ursachen für das Bruxieren können auch Gebissersatzteile, Kronen oder Plomben sein. Weltweit haben die Zahnärzte den Durchbruch für diese wissenschaftliche Erkenntnis gemacht. Meist sind es muskuläre Probleme. Das Zusammenspiel oder das Gegeneinander der Muskeln stimmt nicht.Physiotherapeuten können dieses Problem u.a durch Reizsetzung an Trigger-punkten behandeln. Eine Versorgung des Patienten mit einer zahnärztlichen Fehlbissschiene (Bruxier-schiene, landläufig auch „Knirscher-Schiene“) sollte außerdem erfolgen. Diese führt dazu, dass nachts die Muskeln entspannt gehalten werden und somit nicht die Kieferanteile fest aneinander pressen. Vor der Versorgung mit Schienentechniken sollte immer eine physiotherapeuti-sche Behandlung vorausgehen, ebenso ein physiotherapeutischer Befund für den Zahnarzt, nach Formblatt.Ausstrahlungsschmerzen und Fehlfunktionen der Zungenboden-, Hals- und Schultergürtelmuskulatur sind außerdem möglich. So können die Ansätze des Kopfdrehmuskels (m. sternocleidomastoideus) in der oberen Schneidezahnreihe Zahnschmerzen verursachen, obwohl die Zähne in Ordnung sind.Die Versorgung der Patienten mit Beinlängenverkürzungen (Malukkusion) sollte durch einen orthopädischen Schuhmachermeister mit propryozeptiven Fußeinlagen erfolgen.

Therapie:
Aus Erfahrung haben wir ein Konzept entwickelt, dass aus verschiedenen therapeutischen Einheiten besteht. Neben der von Zahnarzt zu verordnenden „Knirscher-Schiene“ und den vom orthopädischen Schuhmachermeister angefertigten Fußeinlagen sind dies Reizstromtherapie, Ultraschall, Trigger-punktbehandlung, N.A.P. und die „Muskelrelaxation nach Jacobson“. Die Behandlung an Triggerpunkten innerhalb erfolgt und außerhalb der Mundhöhle (intra- wie extraoral) und auch mit Massagegriffen am Kaumuskel (m. massetter), sowie am Schläfenmuskel (m. temporalis). Zusätzlich bewegt der Therapeut passiv-assistiv-aktiv oder aktiv gegen Widerstand den Unterkiefer. Ziel ist das Erlernen der praktischen Selbstbehandlung durch den Patienten. Bewährt hat sich auch die Elektrotherapie. 95% der Patienten sind sofort schmerzfrei und bei 85% hält die Wirkung über ein Jahr an. Auch die Ultraschalltherapie ist äußerst wirksam.Im Zuge der N.A.P.-Therapie (siehe www.renatahorst.de), die die Anpassungsfähigkeit aller Gewebestrukturen des Körpers (Plastizität) nutzt, trainieren wir Zungen-Boden / Becken-Boden.Die „Muskelrelaxation nach Jacobson“ ergänzt den Gesamtrahmen der „CMD-Therapie“ optimal. Hier erlernt der Patient die muskuläre Ganzkörperentspan-nung und verbessert dadurch ihr Zusammenspiel. Für alle betroffenen Patienten bieten wir diese Therapie an, da sich auch eine psychosomatische Parallele in diesem Krankheitsbild vereinen kann.
 
Dieser Kurs ist von den Krankenkassen als Präventionskurs zugelassen und wird mit 80% bezuschusst.Übrigens: Auch bei Patienten mit Tinitus ist diese Kombinationstherapie oft erfolgreich.

Grundsätzlich gilt:
Die Zahnärzte müssen die Diagnose „CMD“ stellen, gleichzeitig die physiotherapeutische Verordnung treffen und regelmäßig zahnärztlich kontrollieren. Eine „Knirscher-Schiene“ allein reicht nicht aus. „Das eine kann ohne das anderen nicht sein!“ 
Friedhelm Havacker & Kay-Hubert Weiß