Das Stangerbad ist eine Kombination von Wannenbad und galvanischem Strom. Der zu Behandelnde liegt dabei in einer mit Wasser gefüllten Wanne. Auf allen Seiten innerhalb der Wanne sind mehrere Elektroden angebracht, mit denen je nach Polung eine Längs- oder Querdurchflutung mit galvanischem Strom durchgeführt werden kann.
Ein galvanischer Strom ist ein konstanter Gleichstrom mit gleichbleibender Intensität.

Das Stangerbad oder elektrogalvanisches Vollbad wurde 1866 erstmals beschrieben. Der Reutlinger Gerbermeister J. J. Stanger benutzte ein solches galvanisches Vollbad mit Lohbrühe, einem Gerbmittel, als Badezusatz zur Behandlung seines eigenen Rheumaleidens. Er ließ sich dieses Bad als "elektrisches Lohtanninbad" patentieren. Sein Sohn, der Ingenieur H. Stanger, hat in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Konstruktion verbessert. Deshalb spricht man heute landläufig vom "Stangerbad".


Bei dieser Anwendungsform liegt der Patient im Vollbad. Die Wanne ist mit 8 Elektroden bestückt: je eine Elektrode am Kopf- und Fußende, und 3 je Seite. Die Elektroden können unterschiedlich gepolt werden: Längsdurchflutungen (aufsteigend: Kathode am Kopf = eher erregend, oder absteigend: Anode am Kopf = eher beruhigend) oder Querdurchflutungen. Auch können z.B. auf einer Seite 3 Elektroden, und auf der anderen Seite 1 Elektrode eingeschaltet werden um eine (relative) Lokalwirkung zu erreichen (zum Beispiel die Hüftregion auf einer Seite). Dieses Bad erlaubt die Anwendung von hohen Stromstärken. Da der Strom aber den Weg des geringsten Widerstandes wählt, geht das meiste am Patienten vorbei.Die Wirkung eines solchen Bades ist komplex. Die Effekte des Stromes treten neben der entspannenden Wirkung des warmen Wassers und eventuellen Badezusätzen auf. Das Stangerbad bewirkt eine Schmerzlinderung und eine Durchblutungsförderung des gesamten Körpers. Außerdem darf man die hohe Wirkung der Stoffwechselanregung durch ein funktionell geschaltetes Stangerbad nicht außer Acht lassen.


Anzeigen (Indikationen):

Stoffwechselerkrankung (z.B. Diabetes)

periphere Durchblutungsstörungen

Schmerzen (z. B. Arthrose)

Lumbago (Hexenschuss, Bandscheibenschaden), Ischialgie (Ischiasschmerz), Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Wirbelsäulenerkrankungen


Gegenanzeigen (Kontraindikationen):

Implantate: Nägel, Schrauben, Platten, künstliche Gelenke und SpiralenHautverletzungen (minimale Hautverletzungen können mit einem Pflaster abgedeckt werden)Tiefliegende Thrombosen, Hypertonie (Bluthochdruck), Hautekzeme, akute Entzündungen, Erisipel (Blutvergiftung), Hautpilz